AMI WARNING


artheater, Köln
Do, 14.11.2024
Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
25,00 € zzgl. Gebühren

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credit Stef Zinsbacher
credit Stef Zinsbacher

​​Wenn zwischen lauter Ansprüchen, Druck und Aufgaben, zwischen Social Media und
Selbstvergleichen, zwischen hohen Zielen, Perfektionsstreben und tiefen Zweifeln kein Land
mehr in Sicht zu sein scheint, tut es gut, nein, ist es dringend zu empfehlen, eine Auszeit zu
nehmen. Wenn man aus den Augen verliert, was glücklich macht, wenn man vergisst,
worum es eigentlich ging: ist es Zeit für eine Auszeit. Um sich auf sich selbst zu besinnen.
Auf das, was man tun möchte. Auf die Person, die man wirklich ist. Auf das, was man
wirklich kann. Und will. Eine Auszeit, um wieder man selbst zu sein.
Darum geht es Ami Warning auf „Auszeit“, ihrem mittlerweile vierten Album und dem
zweiten auf Deutsch, nach dem 2019 erschienenen „Momentan“ und dem Mixtape „Kurz
vorm Ende der Welt“ von 2022. Ami Warning – mit so einem Namen kann man ja nur Großes
schaffen. Großes, das aber gleichzeitig vollkommen in sich ruht. Passt zu Ami, die
entspannt, konzentriert und ganz im eigenen Stil in zehn Songs zehn Geschichten vom
Hadern, Zweifeln, vom Ausbrechen, Ankommen, von Selbstermächtigung, Mut, Offenheit,
von der Freude am Ausprobieren und vom Frieden mit sich selbst schließen erzählt.
Da wäre zum Beispiel „Liebe is laut“, eine Kollaboration mit Mola, mit der sich Ami Warning
nicht nur die Herkunft aus München teilt, sondern auch das Talent, in wenigen Worten
ganze Vignetten voller Spannung zu schaffen und das Thema Beziehungen – und deren
Ende – noch einmal neu und überraschend zur erzählen. Inklusive einem Musikvideo, das in
warmen Farben die Kraft der Lebensfreude und Freund*innenschaft auch in den kältesten
Zeiten zeigt. Vom Wiederaufstehen nach einer Trennung dagegen singt sie auf „war
dabei“ mit einem weiteren Featuregast mit Münchenbezug, dem Rapper Fatoni.
Ganz anders ist da „Rastlos“, das sich mit der Gefahr, ewig dem nächsten Ziel
hinterherzurennen und dabei zu verlernen, auch mal eine Pause zu machen,
auseinandersetzt. Wie das mit der Pause machen funktioniert, zelebriert Ami etwa auf dem
zarten, minimalistischen Opener „Meer will ich“, das gesprochene Elemente zu ihrer tiefen,
samtig-warmen Singstimme kombiniert. Aufstehen und direkt erst einmal Likes verteilen,
Selbstoptimierung und Zukunftsangst: Ami singt von Gefühlen, wie alle sie kennen. Und
kreiert dadurch eine berührende Intimität zwischen sich und ihren Zuhörer*innen.
Auch in ihren Liveshows mit voller Bandstärke – neben ihr an der Leadgitarre sind noch ein
Gitarrist, Bassist, ein Schlagzeug und Keyboard dabei – baut sie diese Intimität auf. Das
liegt an ihrem tiefenentspannten Sound, irgendwo zwischen Singer-Songwriter auf Deutsch
und Hiphop-Beats, aber auch daran, dass sie in ihren Texten und fertigen Songs alles
unverfälscht einfließen lässt, Kratzen in der Stimme inklusive. Aber vielleicht liegt es auch
ein wenig an ihrer Biographie: „Mich hat es eigentlich nie auf die Bühne gezogen“, erzählt
Ami nämlich, „ich dachte lange, das wäre nicht so mein Ding.“ Aber Musik war immer Teil
ihres Lebens: ihr Vater ist Reggaemusiker mit Wurzeln in der Karibik. „Vielleicht fließt das
auch ein Stück weit ein“, sagt sie. Immer bei den Konzerten ihres Vaters im Publikum, hat
sie irgendwann doch Lust darauf, selbst zur Gitarre zu greifen, Songs zu schreiben. Und
irgendwann vielleicht auch mal vor Publikum zu performen.
Das ist jetzt auch schon einige Jahre her. Und auch einige Runden an Selbstzweifeln, Suche
und Selbstfindung. Das Ergebnis dieser Suche und auch dieses selbstbewussten
Ankommens ist auch der Titelsong „Auszeit“: mit einem Musikvideo, das sie mit einem
Camcorder einfach selbst im Urlaub auf Aruba drehte, ist es eine Hymne darauf, auch mal
einen Gang herunter zu schalten, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und sich zu
erlauben, nicht nur zu kämpfen, sondern auch wieder Kraft zu schöpfen.
Mit „Auszeit“ steht uns Ami Warning wie eine kluge Freundin und Ratgeberin zur Seite.
Jemand, der selbst durch all das durchgegangen ist und nun ohne Scham und mit viel Herz
aus dem Leben erzählt, dem echten Leben ohne Filter und Nachbearbeitung. Und schafft es
ganz im Nebenbei, einen Soundtrack zu kreieren, der uns von unserer überdrehten, von
Stress zerfressenen, verunsichernden Zeit wieder zurückholt. Ins Jetzt. Ins Leben. In unsere
Auszeit.